Inhalt
- 1. Falsches Gewerbe
- 2. Preis zu knapp
- 3. Durch bezahlte statt verrechenbare Stunden teilen
- 4. Probetag ohne Anmeldung
- 5. Keine SVS-Rücklage
- 6. Kein Leistungsverzeichnis
- 7. Keine KV- oder Wertsicherungsklausel
- 8. Wegzeiten unterschätzt
- 9. Keine Betriebshaftpflicht mit Schlüsselverlust
- 10. Keine Arbeitszeitaufzeichnungen
- Bonus: drei Fehler, die schleichend teuer werden
- Selbstcheck in fünf Minuten
- Wie die Fehler zusammenhängen
- Häufige Fragen
Kurz gesagt: Die teuersten Fehler sind falsches Gewerbe, zu niedrige Preise, Personal ohne Anmeldung, keine Rücklage für die SVS-Nachzahlung und Verträge ohne Leistungsverzeichnis und KV-Anpassung. Fast alle lassen sich mit einer sauberen Vorbereitung vermeiden. Stand: Oktober 2026.
Wir sind eine Reinigungsfirma in Wien und haben einige dieser Fehler selbst gemacht – andere bei Mitbewerber:innen und Gründer:innen beobachtet. Das Muster ist fast immer gleich: Ein Fehler kostet am Anfang wenig und wird erst nach Monaten teuer. Deshalb lohnt es sich, die Liste vor dem ersten Auftrag durchzugehen.
1. Falsches Gewerbe
Der Fehler: Büros, Praxen oder Geschäftslokale mit dem freien Gewerbe Hausbetreuung reinigen.
Was es kostet: Verfahren wegen unbefugter Gewerbeausübung, Verwaltungsstrafen, im schlimmsten Fall der Verlust von Kund:innen, wenn du kurzfristig aufhören musst.
So vermeidest du ihn: Vor der Anmeldung klären, welche Leistungen du anbieten willst – und ob du dafür das Handwerk Gebäudereinigung brauchst: Gewerbe anmelden in der Reinigung – Gebäudereinigung (Handwerk) oder Hausbetreuung (frei)?.
2. Preis zu knapp
Der Fehler: KV-Lohn plus „ein bisschen was“ verrechnen. Lohnnebenkosten, Sonderzahlungen, Urlaub, Krankenstand und unproduktive Zeiten fehlen.
Was es kostet (Annahme): Wer 25 € statt rund 34,60 € pro Stunde verrechnet, verliert bei 1.500 verrechenbaren Stunden pro Vollzeitkraft rund 14.000 € pro Jahr an Deckungsbeitrag.
So vermeidest du ihn: Stundensatz Schritt für Schritt aufbauen: Stundensatz in der Reinigung kalkulieren – so rechnest du richtig.
3. Durch bezahlte statt verrechenbare Stunden teilen
Der Fehler: Die Jahreslohnkosten durch 2.080 bezahlte Stunden teilen statt durch rund 1.500 verrechenbare.
Was es kostet: Der Stundensatz wirkt um 20–30 % zu niedrig – jede Stunde beim Kunden ist unterfinanziert.
So vermeidest du ihn: Urlaub, Feiertage, Krankenstand, Wegzeiten und Einschulung abziehen.
4. Probetag ohne Anmeldung
Der Fehler: „Komm morgen einfach mal mit.“
Was es kostet: Beitragszuschläge und Verwaltungsstrafen pro Person, Nachzahlungen – und ein Eintrag, der bei Ausschreibungen schadet.
So vermeidest du ihn: Anmeldung über ELDA vor Arbeitsantritt, immer: Mitarbeiter:innen anmelden – Dienstgeberkonto, ELDA, Dienstzettel.
5. Keine SVS-Rücklage
Der Fehler: Im ersten Jahr nur die vorläufigen Mindestbeiträge zahlen und den Rest ausgeben.
Was es kostet (Annahme): Bei 30.000 € Gewinn kann die Nachzahlung leicht mehrere tausend Euro betragen – fällig, wenn du schon höhere laufende Beiträge zahlst.
So vermeidest du ihn: Eigenes Rücklagenkonto, fixer Prozentsatz vom Gewinn: Kleinunternehmerregelung, SVS und Steuern im ersten Jahr.
6. Kein Leistungsverzeichnis
Der Fehler: Angebot mit „Büroreinigung 2× pro Woche, 600 €“.
Was es kostet: Endlose Diskussionen, was „im Preis drin“ ist: Fenster? Kühlschrank? Geschirr? Am Ende machst du mehr für dasselbe Geld.
So vermeidest du ihn: Leistungsverzeichnis mit Bereichen, Tätigkeiten und Intervallen: Angebot für Unterhaltsreinigung schreiben – mit Leistungsverzeichnis.
7. Keine KV- oder Wertsicherungsklausel
Der Fehler: Unbefristete Verträge mit Fixpreis.
Was es kostet: Laut KV-Abschluss steigt der Mindestlohn für die Unterhaltsreinigung 2027 von 12,37 € auf 12,73 € (neue LG 4; bitte aktuellen Text prüfen). Das sind rund 1.130 € Mehrkosten pro Vollzeitkraft und Jahr – ohne Anpassung direkt vom Gewinn: Kollektivvertrag Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung einfach erklärt.
So vermeidest du ihn: Anpassungsklausel an KV-Erhöhung oder Index in jedem Vertrag.
8. Wegzeiten unterschätzt
Der Fehler: Viele kleine Objekte quer über die Stadt verteilt.
Was es kostet (Annahme): 30 Minuten bezahlte Wegzeit pro Tag sind über 10 Stunden pro Monat und Mitarbeiter:in, die niemand direkt bezahlt.
So vermeidest du ihn: Objekte nach Gebiet bündeln, Wegzeiten im Stundensatz einplanen: Arbeitszeit, Pausen und Aufzeichnungen in der Reinigung.
9. Keine Betriebshaftpflicht mit Schlüsselverlust
Der Fehler: Billigste Haftpflicht ohne Schlüsselverlust und Bearbeitungsschäden.
Was es kostet: Ein verlorener Generalschlüssel kann den Tausch einer ganzen Schließanlage nach sich ziehen – je nach Objekt fünfstellig.
So vermeidest du ihn: Deckung gezielt prüfen: Versicherung für Reinigungsfirmen – was du wirklich brauchst.
10. Keine Arbeitszeitaufzeichnungen
Der Fehler: Stunden werden „ungefähr“ am Monatsende eingetragen.
Was es kostet: Strafen bei Kontrollen, Nachforderungen bei Streit – und du weißt nicht, welche Objekte unrentabel sind.
So vermeidest du ihn: Zeiterfassung pro Objekt ab Tag 1, monatlicher Soll-Ist-Vergleich.
Bonus: drei Fehler, die schleichend teuer werden
- Sonderleistungen in der Pauschale: Fenster und Grundreinigung gehören extra: Unterhaltsreinigung, Grundreinigung, Sonderreinigung – Unterschiede und Kalkulation
- Billige Geräte: Ausfälle kosten Einsätze und Zeit: Reinigungsgeräte und -mittel für den Start – die Grundausstattung
- Keine Nachkalkulation: Leistungswerte nach 4–8 Wochen prüfen: Preise für Büroreinigung pro m² – so kalkulierst du die Unterhaltsreinigung
Selbstcheck in fünf Minuten
| Frage | Ja/Nein |
|---|---|
| Deckt mein Gewerbe alle Leistungen ab, die ich anbiete? | |
| Ist mein Stundensatz aus eigenen Kosten berechnet? | |
| Wird jede Person vor dem ersten Tag angemeldet? | |
| Habe ich ein Rücklagenkonto für SVS und Steuer? | |
| Hat jeder Vertrag ein Leistungsverzeichnis und eine Anpassungsklausel? | |
| Ist Schlüsselverlust versichert? | |
| Gibt es Zeiterfassung pro Objekt? |
Jedes „Nein“ ist ein Punkt für die nächste Woche. Den kompletten Gründungsablauf findest du hier: Reinigungsfirma gründen in Österreich – Schritt für Schritt.
Wie die Fehler zusammenhängen
Viele dieser Fehler verstärken sich gegenseitig. Ein zu knapper Preis führt dazu, dass keine Rücklage möglich ist; fehlende Zeiterfassung verhindert, dass du den zu knappen Preis überhaupt bemerkst; ein Vertrag ohne Anpassungsklausel macht das Problem jedes Jahr größer. Umgekehrt gilt: Wer Kalkulation, Zeiterfassung und Vertrag sauber aufsetzt, löst gleich mehrere Punkte auf einmal.
Unsere Reihenfolge für Gründer:innen: zuerst Gewerbe klären, dann Stundensatz kalkulieren, dann Angebotsvorlage mit Leistungsverzeichnis und Anpassungsklausel, dann Versicherung – und erst danach die erste Anstellung mit ELDA-Anmeldung und Zeiterfassung.
Häufige Fragen
Welcher Fehler ist am häufigsten?
Erfahrungsgemäß der zu niedrige Preis – weil Lohnnebenkosten, Sonderzahlungen und unproduktive Zeiten fehlen.
Welcher Fehler ist am teuersten?
Das hängt vom Einzelfall ab. Dauerhaft am meisten kostet meist ein zu niedriger Preis, im Einzelfall können fehlende Anmeldung oder ein unversicherter Schlüsselverlust sehr teuer werden.
Wie erkenne ich unrentable Objekte?
Mit Zeiterfassung pro Objekt: Liegen die tatsächlichen Stunden dauerhaft über der Kalkulation, musst du nachverhandeln oder das Leistungsverzeichnis anpassen.
Kann man Fehler beim Gewerbe nachträglich korrigieren?
Ja – je früher, desto besser. Melde das passende Gewerbe an bzw. bestelle eine gewerberechtliche Geschäftsführung und biete bis dahin nur die erlaubten Leistungen an. Lass dich dazu vom WKO-Gründerservice beraten.



